Herzerkrankungen bei Hund und Katze

Das Herz ist das zentrale Organ des Kreislaufs. Es versorgt den Körper über das Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen. Beim Hund schlägt es mit 70-160 Schlägen pro Minute, das Herz der Katze noch schneller (bis zu 240 Schläge pro Minute) und das ein ganzes Leben lang. Man kann sich also vorstellen, wie trainiert der Herzmuskel ist. Dadurch wird auch deutlich, dass sich Erkrankungen des Herzens entsprechend stark auf den ganzen Körper auswirken und damit die Lebensqualität und die Lebenserwartung negativ beeinflussen.

Hinweise auf Herzerkrankungen

Wie erkenne ich, ob mein Tier an einer Herzerkrankung leidet?
Es gibt verschiedene Hinweise dafür, dass ein Tier an einer kardialen Erkrankung leidet. Generell kann man sagen, dass Hunde früher und deutlichere klinische Anzeichen zeigen als Katzen.

Viele herzkranke Hunde fallen durch Leistungsschwäche und Husten, schnellere Atmung, manche auch durch plötzliche Ohnmachtsanfälle auf. Seltener werden Hunde mit fortgeschrittenen Symptomen wie Atemnot vorgestellt.

Katzen dagegen werden verhältnismäßig oft mit Atemnot eingeliefert. Das liegt daran, dass Katzen ihre Erkrankung lange Zeit kompensieren und erst im Endstadium Symptome einer Herzerkrankung zeigen. Manchmal zeigen Katzen auch Hecheln als Ausdruck einer Herzerkrankung. Katzen sind somit relativ schwierige Herzpatienten.

Hunde fallen viel häufiger durch o.g. Symptome auf, weshalb ihre Besitzer früher einen Tierarzt konsultieren können. Eventuell vorhandene kardiale Krankheiten werden deshalb schneller erkannt.

Allerdings können alle erwähnten Symptome auch durch Krankheiten anderer Ursache wie z.B. Lungenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder orthopädische Probleme verursacht werden (übrigens: Katzen husten im Gegensatz zum Hund oder dem Menschen so gut wie nie wegen einer Herzerkrankung.).
Die Diagnose einer Herzerkrankung kann also nicht allein anhand des Vorberichtes und der klinischen Zeichen gestellt werden. Nur eine fundierte und problemorientierte Diagnostik, welche zumeist einen Herzultraschall umfasst, ermöglicht die optimale Versorgung eines vorgestellten Patienten.


Zusammenfassung der Symptome bei Hunden
  • Husten
  • Leistungsschwäche
  • blaue Zunge oder Schleimhäute
  • schnelle Atmung (Ruheatemfrequenz >30/Minute)
  • Atemnot
  • Ohnmachtsanfälle
  • Einstellen der Futteraufnahme
  • Bauchwassersucht

Zusammenfassung der Symptome bei Katzen
  • Hecheln
  • schnelle Atmung
  • Atemnot
  • Einstellen der Futteraufnahme
  • Bauchwassersucht
  • Leistungsschwäche
  • blaue Zunge
  • selten: Ohnmachtsanfälle
  • selten: Husten (bei Katzen hat Husten fast nie eine kardiale Ursache, sehr viel wahrscheinlicher ist Felines Asthma)

Die häufigsten Herzerkrankungen beim Hund

Klappeninsuffizienzen

Die betroffenen Herzklappen schließen nicht dicht: Besonders häufig sind Hunde kleiner Rassen betroffen. Bei ihnen ist die Veranlagung zur sogenannten Endokardiose, also zur Veränderung der Klappen, angeboren. Symptome treten meist erst im Alter von 8 Jahren und später auf. Dadurch, dass die betroffenen Herzklappen nicht mehr dicht schließen, entsteht das beim Abhorchen hörbare Herzgeräusch. Die Hunde leiden unter Husten, schneller Ermüdung, Bewegungsunlust und Schweratmigkeit. Unbehandelt führen Klappenfehler zu einer deutlich verminderten Lebenserwartung. In der Folge treten Herzrhythmusstörungen auf, die zu Ohnmachtsanfälle und auch plötzlichem Versterben führen können.

Klappenstenosen

Die betroffenen Klappen sind zu eng. Die Aortenstenose betrifft eher Hunde grosser Rassen (z.B. Boxer, Retriever). Pulmonalstenosen kommen eher bei kleinen Hunden (z.B. Schnauzern) vor. Bei der Klappenstenose, also der Verengung einer Klappenöffnung, hat das Herz mehr Arbeit, um das Blut hindurchzupumpen und der Herzmuskel wird dadurch dicker. Im Verlauf der Krankheit ist das Herz nicht mehr in der Lage, gegen den hohen Druck anzukämpfen, und versagt.

Herzmuskelerkrankungen

Ebenfalls bei großen Hunden wie Doggen, Bernhardinern, Dobermännern, aber auch bei Spaniels, kommt die sogenannte dilatative Kardiomyopathie vor. Bei dieser Herzerkrankung erweitert sich durch eine angeborene Veranlagung zur Herzmuskelschwäche das Herz und kann so seine Aufgabe nicht mehr erfüllen.

Weiter Beispiele von Herzerkrankungen sind angeborene Herzfehler, Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis) oder der Herzklappen (Endokarditis), Herzbeutelergüsse, Herztumoren.

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) können sowohl durch bereits bestehende Herzerkrankungen hervorgerufen werden, als auch durch Stoffwechsel- und Elektrolytstörungen. Dabei kommt es entweder zu überzähligen (Extrasystolen) oder fehlenden Herzschlägen und zu entweder sehr schneller oder sehr langsamer Herzfrequenz. Allen Arrhythmien ist gemeinsam, dass sie bei entsprechender Schwere zu ungenügender Durchblutung des Körpers und damit zu Schwäche, Ohnmacht und auch zu Todesfällen führen können.

Behandlung: In sehr vielen Fällen können Herzerkrankungen behandelt und so das Leben der Patienten in ihrer Qualität verbessert und verlängert werden. Voraussetzung ist eine frühzeitige und genaue Diagnose. Kardiologische Abklärung heißt, dass eine umfassende Untersuchung durch-geführt wird. Nicht nur die klinische Untersuchung mit dem Abhorchen des Herzens, sondern auch Röntgenaufnahmen, Laboruntersuchungen, EKG, Blutdruckmessungen und vor allem der Herzultraschall (Echokardiographie) helfen dabei.

 


Herzerkrankungen bei der Katze

Bei unseren Hauskatzen gibt es recht häufig Herzerkrankungen, die aber nur selten als solche erkannt werden. Speziell bei einigen Rassekatzen wie Maine Coon, Britisch Kurzhaar und Kartäusern findet man immer wieder Herzerkrankungen. Aber auch unsere Europäische Hauskatze und alle Mischlinge können betroffen sein.

Fast allen Herzproblemen der Katzen gemeinsam sind recht unspezifische Symptome wie Kurzatmigkeit, Erbrechen, Belastungsschwäche, Lähmungen der Hintergliedmaßen, plötzliches Erblinden sowie neurologische Symptome. Auch plötzliche Todesfälle (Sekundenherztod) kommen vor.

Klappenerkrankungen sind bei Katzen viel seltener als bei Hunden, und sind, wenn sie vorkommen, meist angeboren. Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Herzbeutelergüsse kommen ebenfalls seltener vor.

Die Hypertrophe Cardiomyopathie (HCM) ist die derzeit am häufigsten auftretende Erkrankung des Katzenherzens. Die Veranlagung dazu ist angeboren und kann zur Zeit bei der Maine Coon durch einen Gentest im Blut nachgewiesen werden. Über die wirkliche Bedeutung dieses Tests kann derzeit noch wenig gesagt werden.

Die HCM führt zu einer sehr starken Verdickung des Herzmuskels, der dadurch seine Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Folgen sind Kreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen, Gefäßverschlüsse (Thromboembolien) und plötzliche Todesfälle.

Die Diagnose ist nur über die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) möglich. Da nicht jede Verdickung des Herzmuskels durch HCM bedingt ist, sondern auch andere Gründe haben kann (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion oder Bluthochdruck), müssen zur endgültigen Diagnose diese anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden.

Eine Behandlung ist in den meisten Fällen durch Tablettengaben möglich.